Fachtag 2026

Stark fürs Leben – Schätze entdecken in der Grundschule

Fachtag_Stark_fuers_Leben-Workshop

Die Grundschule begleitet Kinder durch eine wichtige Entwicklungsphase. Sie lernen, selbstständig zu werden, Konflikte zu lösen und auf ihre Stärken zu vertrauen. Die Vermittlung von Lebenskompetenzen ist für das gesunde Aufwachsen von großer Bedeutung.

In ihrem Alltag stehen die Grundschulen allerdings selbst vor vielfältigen Herausforderungen: fehlende Fachkräfte, Integration geflüchteter Kinder, Abdeckung von zusätzlichem Förderbedarf, Nachwirkungen der Corona-Pandemie …

Zusammenfassung des Fachtages | 19. Juni 2026 in Berlin

Stark fürs Leben – Schätze entdecken in der Grundschule

Chancen und Herausforderungen nachhaltiger Lebenskompetenzförderung

 

Was brauchen Kinder, um gestärkt durch die Grundschulzeit zu gehen und welche Rahmenbedingungen sind dafür nötig?

Diese Frage stand im Zentrum des Fachtages. Dabei wurden Herausforderungen und Chancen nachhaltiger Lebenskompetenzförderung beleuchtet und gemeinsam auf Lösungsansätze geschaut.

Hierzu gab es ein vielseitiges Programm aus Fachvorträgen, praxisnahen Workshops und einer Podiumsdiskussion. Festgehalten wurde alles auf einem Graphic Recording (siehe Illustrationen). Insgesamt nahmen 130 Personen an dem Fachtag teil.

Unser Dank geht besonders an Prof. Dr. Streeck (Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen und Schirmherr des 1000 Schätze-Programms), Dr. Ina Czyborra (Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege des Landes Berlin) und Katharina Günther-Wünsch, (Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin) für ihre einleitenden Grußworte.

Insgesamt wurde deutlich, dass Schulen weit mehr sind als Orte der Wissensvermittlung. Sie übernehmen eine zentrale Rolle bei der Unterstützung des Heranwachsens der Schülerinnen und Schüler und damit auch in der Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen.

                                                                 Partizipative Gestaltung der Lebensräume und Abbau der Versäulung der Hilfen

Der erste Impulsvortrag von Univ.-Prof. Dr. Claudia Calvano zeigte, dass die psychischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen seit der Corona-Pandemie sowie im Zuge der Klimakrise zugenommen haben. Zugleich wurde deutlich, dass das System Schule diese Herausforderungen nicht allein bewältigen kann.

Um den Belastungen und dem Gefühl der Hilflosigkeit von Kindern und Jugendlichen angesichts dieser Polykrisen entgegenzuwirken, sollten im schulischen Kontext gezielt Möglichkeiten zur Mitbestimmung und zur Erfahrung von Selbstwirksamkeit geschaffen werden. Präventions- und Unterstützungsangebote müssen konsequent an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausgerichtet und gemeinsam mit ihnen entwickelt werden. Nur so können diese Angebote ihre volle Wirksamkeit entfalten. Hierfür braucht es ein Zusammenwirken aller beteiligten Professionen und eine bessere Verzahnung von Unterstützungsangeboten.

Freude beim Schätze entdecken

Wie eine gelebte Zusammenarbeit aussehen kann, zeigte eine Grundschulklasse aus Berlin-Moabit gemeinsam mit ihren Begleiterinnen. So konnten alle Teilnehmenden des Fachtags erleben und fühlen, was hinter dem manchmal doch eher abstrakten Begriff der Lebenskompetenzförderung steckt.

Sozial-emotionales Lernen ist keine Zusatzaufgabe, sondern ein zentraler Teil von Bildung

Sozial-emotionales Lernen steht als Ziel in den Kernlehrplänen aller Bundesländer. Um es tatsächlich umzusetzen, muss es fester Bestandteil der Schulentwicklung und des Unterrichts werden. Denn die Förderung von sozial-emotionalen Kompetenzen ist eine wesentliche Grundlage für die Gesundheit von Kindern und ermöglicht so erfolgreiches Lernen in der Klassengemeinschaft.

Im Rahmen des zweiten Impulsvortrags von Univ.-Prof. Dr. Charlotte Hanisch wurde hierfür die Entwicklung evidenzbasierter Rahmenkonzepte empfohlen, die das gesamte Setting Schule in den Blick nehmen und die frühzeitige Vermittlung von Lebenskompetenzen ermöglichen. Voraussetzung dafür ist die kontinuierliche Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte. 

Doch auch die systematische Einbindung bestehender externer Unterstützungsangebote und verlässliche Kooperationen zwischen Schulen, Kommunen und Wissenschaft sind wichtig, um Präventionsmaßnahmen wirksam und langfristig in den Schulalltag zu integrieren. 

Gemeinsam auf Lösungen schauen – Ergebnisse der sechs Workshops

Nach der Mittagspause fanden sechs unterschiedliche Workshops statt. Hier wurde sich zu unterschiedlichen Themen ausgetauscht, diskutiert und auf Lösungsansätze geschaut.

Gemeinsame Sprache und Haltung als Grundlage für
gelingende Zusammenarbeit

Eine gemeinsame Sprache und Haltung bilden die Grundlage für eine erfolgreiche multiprofessionelle Zusammenarbeit, sowohl innerhalb der Schule, als auch über Ressortgrenzen hinweg.

Ein kollektives Verständnis der verschiedenen Rollen, sowie der gemeinsamen Ziele und Verantwortlichkeiten schafft die Voraussetzung für funktionierende Absprachen und Abläufe. So können Unterstützungsangebote besser aufeinander abgestimmt und Kinder und Jugendliche wirksam begleitet werden. Um diese gemeinsame Sprache zu entwickeln und Abläufe zu etablieren, muss Kooperation als ein wesentlicher Teil der Arbeit verstanden und vergütet werden.

Gelingende Übergänge gemeinsam gestalten

Auch die Übergänge zwischen Kindertagesstätte und Schule verdienen besondere Aufmerksamkeit, da sie für Kinder und ihre Familien mit erhöhten Belastungen verbunden sein können. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen, Schulen und Familien schaffen Kontinuität und unterstützen einen gelingenden Übergang – die Versorgung der Familien kann sich somit langfristig verbessern.

Beziehungen als Fundament für gesundes Aufwachsen und Lernen

Tragfähige Beziehungen sind eine grundlegende Voraussetzung für erfolgreiches Lernen.

Somit sind Beziehung und Unterricht keine Gegensätze, sondern bedingen einander: Erst in einem vertrauensvollen, wertschätzenden Umfeld können Kinder ihre Potenziale entfalten und Lernprozesse gelingen.

Dies gilt auch für die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus. Auch in schwierigen Situationen hilft es, wertschätzend zuzuhören, die Stärken anzuerkennen und ein gemeinsames Ziel in den Blick zu nehmen.

 

                                                                 Verankerung von Lebenskompetenzförderung braucht                                                                                                       Unterstützung und Durchhaltevermögen

Damit die Förderung von sozial-emotionalen Kompetenzen zum festen Bestandteil des Unterrichts werden kann, braucht es die Unterstützung durch die Schulleitung, ein ganzheitliches Konzept und eine strukturelle Verankerung. Es braucht entsprechend qualifizierte schulische Fachkräfte und strukturierte Regelwerke, für die Umsetzung im Unterricht.

Es braucht Methoden und Routinen, um Handlungsbedarfe zu erkennen und Netzwerke und Systeme, die beim Handeln unterstützen. Und es braucht Zeit, Reflexion und Wiederholung, damit neue Routinen verankert werden können. Und für all dies braucht es ganz besonders eins: Durchhaltevermögen.

 

Wir haben die richtigen Argumente.
Frühzeitige Lebenskompetenzförderung ist eine Investition,
die sich lohnt!

In der abschließenden Podiumsdiskussion sind wir noch einmal einen Schritt zurückgegangen und haben gemeinsam auf die Rahmenbedingungen und Herausforderungen geschaut. Dabei wurde deutlich, dass wir viel darüber wissen, wie wir Kinder in der Grundschulzeit in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung unterstützen können. Wir können gut und nachvollziehbar begründen, wieso diese Unterstützung so wichtig ist. Was es braucht, ist mehr ressortübergreifendes Denken, mehr Ressourcen an den richtigen Stellen und mehr langfristige Unterstützung. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse sollten stärker für die Steuerung von politischen Maßnahmen genutzt werden.

Die Förderung von Lebenskompetenzen benötigt Zeit, qualifiziertes Personal und eine verlässliche finanzielle Ausstattung. Dies gilt sowohl für Schulen als auch für weiterführende Angebote. Dabei erschweren kurzfristige Einsparungen und getrennte Zuständigkeiten den Aufbau tragfähiger Strukturen. Damit Kinder und Jugendliche frühzeitig gestärkt werden können, sind langfristige Investitionen und eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Bereiche erforderlich. 

Wir bedanken uns herzlich bei allen Referierenden, Teilnehmenden und Mitwirkenden der Tagung sowie bei allen Fachkräften, die sich mit großem Engagement für die psychische Gesundheit und das gesunde Aufwachsen von Kindern einsetzen.